Wie Teams das Risiko einer schlechten Lieferperfomance senken können

Mar 11 / Jörg Köck und Johanna Gramacho
Im Einkauf geht es häufig darum, die richtigen Lieferanten auszuwählen. Bisher läuft dies meist sehr klassisch ab: Das Team legt gemeinsam relevante Kriterien und K.O.-Kriterien für Lieferanten fest, definiert Skalen für die Kriterien und bewertet jeden einzelnen Punkt, etc. Daraus ergibt sich eine logisch nachvollziehbare Entscheidung, die häufig nicht das Bauchgefühl (gefühltes Wissen) widerspiegelt. Die Kriterien, um die es in der Regel geht sind Preis, Preisverhalten, Qualität, Termin- und Mengentreue, und auch Nachhaltigkeit. Das Risiko der Lieferantenauswahl allerdings liegt in der Zukunft - wir wissen nicht, wie sich Dinge entwickeln werden und können es nur nach bestem Wissen und Gewissen abschätzen. Dementsprechend ist das persönliche Sicherheitsbedürfnis ein großer Faktor bei der Wertung durch die Teilnehmer.

Konsensieren als Lösung

Mit Konsensieren kann wesentlich schneller und leistungsorientierter entschieden werden. Nach einer Informationsphase im Team wird der Widerstand der verschiedenen Lösungen gemessen und es wird so lange optimiert, bis eine Lösung unterhalb eines meistens 30%igen Widerstandswertes gefunden wurde.
Konsensieren bringt sowohl die logische als auch die Gefühlsebene zusammen. So wird auch das gefühlte Erfahrungswissen genutzt und vermeidet gleichzeitig, dass die Diskussion in einem Gegeneinander endet, bei dem sich einzelne Teammitglieder mit ihrer Meinung durchsetzen wollen. Diskussionen werden zunehmend lösungsorientierter geführt. Wenn Diskussionen z.B. in Produktentwicklungsteams mit der Methode des Konsensierens durchgeführt werden, ist es möglich, eine pragmatischere Lieferantenauswahl zu treffen - und dann gemeinsam das Lieferantenperformance-Risiko zu tragen.

Was ist Konsensieren?

Das Systemische Konsensieren ist eine Alternative zum klassischen Mehrheitsprinzip, entwickelt von den beiden österreichischen Systemanalytikern Erich Visotschnig und Siegfried Schroota. Es erklärt, wie Entscheidungen in einer Gruppe getroffen werden können, an die sich jeder Einzelne auch wirklich gebunden fühlt. Es ist eine kreative Suche nach der bestmöglichen Lösung: Aus einer Menge an Vorschlägen wird derjenige ausgewählt, der den geringsten Widerstand hervorruft. Gründe für Widerstand sind zum Beispiel Risiken, die in den Lösungsvorschlägen noch vorhanden sind; nicht ausreichend abgedeckte Bedürfnisse; oder fehlende Lösungsvorschläge. Ob dieser Widerstand erstmal nur ein Bauchgefühl ist oder nicht, spielt keine Rolle. Man einigt sich auf eine Skala (Zwei-Handregel, normierte Zehnerskala oder freie Zehnerskala) und legt fest, wie viel Widerstand erlaubt sein darf, ob es Veto oder K.O.-Kriterien gibt oder ob Widerstände begründet werden müssen.

Vorteile des Konsensierens

  • Konsensieren funktioniert auch gut bei Entscheidungen unter Unsicherheit, weil es Gefühl abholt und Widerstände nicht wegdiskutiert sondern auch mal stehen lässt.
  • Es ist robust gegenüber Manipulationen und Missbrauch, da alle gleichzeitig ihre Stimme abgeben.
  • Das psychologische Commitment schweißt die Gruppe zusammen.
  • Alle Entscheider fühlen sich umfassend informiert, weil sie lernen die Widerstände der anderen zu verstehen.
  • Es handelt sich um ein zeitlich sehr schnelles Verfahren - viele Vorschläge können auf einmal verarbeitet werden.
  • Da Betroffene zum Entscheider und Mitgestalter werden wird eine maximale Beteiligung erzielt bei gleichzeitiger maximaler Tragfähigkeit der Entscheidung.
  • Das Arbeiten auf der Sachebene wird als fairer Prozess wahrgenommen.
  • Wünsche, Bedürfnisse und Widerstände werden geschätzt und ernst genommen
  • Konsensieren ist ein lösungsorientierter Entscheidungsprozess.